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Magic Mushrooms - Schau­spiel von Vol­ker Lüdecke

13. November bis 29. November

Ein Par­ty­gän­ger, Jesus Maria, nimmt in Rom die Abkür­zung vom Bahn­hof zum Park­platz über ein abge­sperr­tes, unge­nutz­tes Gelände. Er fin­det dar­auf Pilze, die er zu kos­ten beginnt und stürzt plötz­lich in ein Kel­ler­loch. Es erweist sich als Ver­steck einer ille­ga­len Flücht­lings­frau aus Afrika, Kali. Beim Sturz ver­letzt er sich, blu­tet und ist auf ihre Hilfe ange­wie­sen. Ihm zu hel­fen bedeu­tet für sie aller­dings der Ver­lust ihrer Anony­mi­tät. Ein erbar­mungs­lo­ses Rin­gen beginnt. Er appel­liert an ihre Mensch­lich­keit, sie kon­fron­tiert ihn mit den von Ita­lien began­ge­nen Kriegs­ver­bre­chen in Afrika und der Aus­beu­tung der Drit­ten Welt durch Europa. Als Ver­ur­sa­cher ihrer Misere stellt sie sei­nen Wohl­stand an den Pran­ger und zieht ihn dafür per­sön­lich zu Rechen­schaft. Für ihn der reine Wahn­sinn, schliess­lich kann er nichts dafür und will ja hel­fen!

Hal­lu­zi­no­ge­ner Alb­traum oder Wirk­lich­keit? Nicht umsonst ist Kalis Ver­steck der Kel­ler einer ehe­ma­li­gen Gift­gas­fa­brik und nicht umsonst steht die­ser Kel­ler in Ver­bin­dung mit den Pri­scilla-Kata­kom­ben, den Zeu­gen der Jahr­hun­derte alten Glau­bens­ge­schichte mit ihren Kreuz­zü­gen. Innere und äus­sere Wel­ten ver­mi­schen sich, die Moderne mit dem Alter­tum, das Gebot der Nächs­ten­liebe mit dem der Zer­stö­rung. Doch die bei­den Figu­ren agie­ren zutiefst mensch­lich. So gedei­hen auf zivi­li­sa­to­ri­schen Müll nebst Hass und Rache auch Gebilde der Gnade und Reli­efs der Mensch­lich­keit, die sich mit den Fres­ken der alten Kata­kom­ben ver­bin­den, gemalt im Glau­ben an die Erlö­sung vom mensch­li­chen Elend. Ein span­nungs­ge­la­de­ner Kon­flikt zu einem bren­nend-aktu­el­len Thema in mul­ti­me­dia­ler Gross­auf­ma­chung!

Was, wenn der rei­che Euro­päer in die exis­ten­zi­elle Abhän­gig­keit einer ille­gal Geflüch­te­ten gerät und auf ihre Hilfe ange­wie­sen ist? Diese Frage lässt der Autor zum hal­lu­zi­no­ge­nen Alb­traum wer­den.

Er heisst Jesus Maria, sie Kali. So steht er auch für das Chris­ten­tum mit sei­ner unrühm­li­chen Ver­gan­gen­heit der Kreuz­züge, dem Stre­ben nach Macht und Aus­beu­tung unter dem Deck­man­tel der Mis­sion. Kali ist im Hin­du­is­mus die anar­chi­sche Göt­tin des Todes und der Zer­stö­rung, ebenso der Erneue­rung. Das Stück lotet den Kon­flikt die­ses Auf­pralls bis in die dunkle Ver­gan­gen­heit aus und steht im aktu­el­len Brenn­punkt des heu­ti­gen Europa. Ihre Mise­ren sind nach­voll­zieh­bar. Das macht den Stoff zugäng­lich und lässt ihn zum explo­si­ven Zünd­stoff wer­den, der auf­wühlt und anklagt: Ein Appell an die glo­bale Mensch­lich­keit!

Das alte Kel­ler­ge­wölbe des tur­bine thea­ters ist wie geschaf­fen für das unheim­li­che Sze­na­rio die­ser schick­sals­träch­ti­gen Begeg­nung. Der Müll der Zivi­li­sa­tion wird darin zum Nähr­bo­den von Gift­ga­sen, ein Zuhause des Zer­falls, zum modern­den Grab. Und doch gibt es den Punkt, an dem die Gewölbe ihre Bedroh­lich­keit ver­lie­ren und zur Stätte der Gebor­gen­heit wer­den, worin eine Wand­lung statt­fin­den kann und Keime des Mit­ge­fühls spries­sen. Nebst Hass, Rache und Gewalt bil­den Oxide eigen­tüm­li­che Blu­men der Gnade, Reli­efs der Mensch­lich­keit, die sich mit den Fres­ken der alten Kata­kom­ben ver­bin­den, gemalt im Glau­ben an die Erlö­sung vom mensch­li­chen Elend. So wird auch die Düs­ter­nis der Auf­füh­rung mit Klän­gen, Musik und Pro­jek­tio­nen auf­ge­hellt, damit von innen her­aus wach­sen kann, woran es aus­sen man­gelt.

Das Augen­merk liegt auf der zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hung von Jesus Maria und Kali, der Kom­ple­xi­tät ihrer Situa­tion und damit dem Schau­spiel, das in der Beset­zung von Indiana Ballan als «Kali» und Peter Niklaus Stei­ner als «Jesus Maria» in pro­fes­sio­nel­len, beherz­ten Hän­den liegt. Dies steht auch für die übrige Krea­tiv-Crew.  Lüdeckes Spra­che ist exakt und poin­tiert, furcht­los in ihrer Poe­sie und direkt.

In der Bri­sanz des Stoffs liegt auch das Poten­tial für einen media­len Hot­spot, mit dem die Auf­füh­rung in der Öffent­lich­keit Auf­se­hen erre­gen und ihren Bei­trag zur Völ­ker­ver­stän­di­gung bei­tra­gen kann.

Beset­zung

Regie: Peter Niklaus Stei­ner
Bühne und Video: Polytrop Inter­me­dia
Musik: David Hohl und Moritz Wid­rig

Pro­duk­tion: tur­bine thea­ter
Co-Pro­duk­tion: Kai­ser­bühne



Autor

Vol­ker Lüdecke

Nach ers­ten Thea­ter­er­fah­run­gen an freien Büh­nen und bei einer Stra­ßen­thea­ter-Gruppe in Frank­reich, mit Teil­nahme am Fes­ti­val d’A­vi­gnon, machte Lüdecke eine Schau­spiel-Aus­bil­dung in Ber­lin an der Kirch­hoff-Schule und der Hoch­schule der Künste, an die sich ein ein­jäh­ri­ges Pro­jekt­stu­dium „Sze­ni­sches Schrei­ben“ an der HdK anschloss.

Er arbei­tet haupt­be­ruf­lich als Thea­ter­au­tor und für Fern­seh­pro­duk­tio­nen, neben­be­ruf­lich auch als Schau­spie­ler und als Regis­seur. Von ihm sind Thea­ter­stü­cke in den Ver­la­gen Drei Mas­ken Ver­lag, Mün­chen, stu­eck­gut, Mün­chen, razzo­PEN­uto, Ber­lin und Felix Bloch Erben, Ber­lin erschie­nen. Außer­dem Arti­kel im Feuil­le­ton der FAZ und der Tages­zei­tung Welt. 1997 wurde sein Stück Darja mit dem Else-Las­ker-Schü­ler-Dra­ma­ti­ker­preis (geteilt mit Wer­ner Fritsch) aus­ge­zeich­net.

Er war als Autor Sti­pen­diat des Lite­ra­ri­schen Col­lo­qi­ums Ber­lin und der Stif­tung Preu­ßi­sche See­hand­lung, Ber­lin. Seit 1983 lebt Lüdecke in Ber­lin.In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren arbei­tete Vol­ker Lüdecke inten­siv mit dem kur­disch-deut­schen Thea­ter­netz­werk Nexus und dem fringe ensem­ble in Bonn zusam­men. Aktu­el­les Thea­ter-Pro­jekt: «Mit May und Nietz­sche durchs wilde Kur­di­stan».


Wei­tere Anga­ben zum Autor unter: 

Details

Beginn:
13. November
Ende:
29. November
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