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Thea­ter im Sihl­wald: «Das Deka­me­ron» von Gio­vanni Boc­cac­cio

9. Juli bis 2. August

Lie­bes­lust und Scha­ber­nack - Pos­sen von Gio­vanni Boc­cac­cio
dra­ma­ti­siert von Peter Niklaus Stei­ner

Ersatz­pro­duk­tion des tur­bine thea­ters für die wegen der Corona-Epi­de­mie abge­sagte Jubi­lä­ums­pro­duk­tion «Das Lied der Mord­nacht», die auf Som­mer 2021 ver­scho­ben wird.

Pre­miere 9. Juli 2020, 20:00 Uhr, Der­niere 2. August 2020
19 Vor­stel­lun­gen im gedeck­ten Zuschau­er­pa­vil­lon des Besu­cher­zen­trums in Sihl­wald
Start Vor­ver­kauf: 4. Juni 2020

Corona

Seit dem Jahr 2000 führt das tur­bine thea­ter im Besu­cher­zen­trum in Sihl­wald jeden Som­mer eine Frei­licht­auf­füh­rung auf. Lei­der musste die im Juli 20 geplante Jubi­lä­ums­pro­duk­tion «Das Lied der Mord­nacht» wegen der Corona-Epi­de­mie abge­sagt wer­den; der not­wen­dige Sicher­heits­ab­stand hätte bei der Zuschau­er­tri­büne nicht gewähr­leis­tet wer­den kön­nen. Damit das beliebte Som­mer­thea­ter den­noch statt­fin­den kann, war­tet das tur­bine thea­ter nun mit einer Ersatz­pro­duk­tion auf, die den corona-beding­ten Sicher­heits­as­pek­ten Rech­nung trägt. Die Zuschau­er­an­zahl wird bei einer eben­erdi­gen Bestuh­lung und freier Sitz­platz­wahl auf hun­dert beschränkt. Gespielt wird auf einer erhöh­ten Bühne, die vor der Natur­ku­lisse des Sihl­wald auf­ge­baut wird.

Das Deka­me­ron

«Il Deca­me­rone» ist das Haupt­werk des ita­lie­ni­schen Dich­ters Gio­vanni Boc­cac­cio (1313−1375). Zehn junge Men­schen bege­ben sich wäh­rend der Pest­epi­de­mie im Jahr 1348 in Flo­renz für zehn Tage in eine länd­li­che Villa in Qua­ran­täne und unter­hal­ten sich gegen­sei­tig mit Geschich­ten. Dies die Rah­men­hand­lung, in die Boc­cac­cio seine zehn mal zehn Novel­len setzt; die Par­al­lele zur heu­ti­gen Corona-Situa­tion liegt auf der Hand. Das Deka­me­ron galt als Vor­bild aller wei­te­ren abend­län­di­schen Novel­len­samm­lun­gen und hat die Welt­li­te­ra­tur nach­hal­tig beein­flusst: Shake­speare, Balzac und Les­sing – um nur ein paar zu nen­nen - haben die Stoffe in ihren eige­nen dich­te­ri­schen Werke auf­ge­grif­fen und wei­ter aus­ge­führt. Erst­mals wer­den bei Boc­cac­cio nicht nur aris­to­kra­tisch-höfi­sche Figu­ren, son­dern auch ein­fa­che Leute in ihrem mit­tel­al­ter­li­chen All­tags­le­ben und vor allem in ihren ero­tisch-komi­schen Ver­wir­run­gen geschil­dert.

Sei es die Geschichte mit den drei Rin­gen, die in Lessing’s «Nathan der Weise» wie­der­hallt, oder die­je­nige vom armen Ade­li­gen, der sei­nen ein­zi­gen Fal­ken opfert, um der Gelieb­ten eine Mahl­zeit vor­zu­set­zen. Oder der Scherz um Bru­der Cipolla, der den Gläu­bi­gen eine Feder des Engels Gabriel vor­zei­gen will und sich ganz wun­der­lich her­aus­re­den muss, als er in sei­nem Käst­chen statt der Feder ein paar Koh­len fin­det. Wit­zi­ger noch der Koch, der sei­ner Gelieb­ten eine Keule von dem gebra­te­nen Kra­nich zuhält und dann sei­nem Herrn erzählt, Kra­ni­che hät­ten nur ein Bein, weil sie ja nur auf einem stün­den. Und natür­lich all die fri­vol-ero­ti­schen Geschich­ten mit ihrem Per­so­nal der gehörn­ten Ehe­män­ner, betrü­gen­der Gat­tin­nen und lei­den­schaft­li­cher Lieb­ha­ber, die nicht sel­ten in der Mönchs­kutte daher­kom­men und Boc­cac­cio nicht davon abhal­ten, das ver­sumpfte Pries­ter­tum des 14. Jahr­hun­derts der Lächer­lich­keit preis­zu­ge­ben.

Nicht mehr die gött­li­che Fügung lenkt die mensch­li­chen Geschi­cke, son­dern der Zufall – der aller­dings durch List, Geis­tes­ge­gen­wart und Intel­li­genz beein­flusst wer­den kann. Als fun­da­men­tal erweist sich immer wie­der der Trieb, ins­be­son­dere der ero­ti­sche, der in der Lage ist, jede reli­giöse oder gesell­schaft­li­che Norm aus den Angeln zu heben.

Kon­zept Steg­reifthea­ter

Der heu­tige «Lock­down» und die Ein­schrän­kung des öffent­li­chen Lebens durch die Corona-Epi­de­mie füh­ren zur Rück­be­sin­nung auf Wesent­li­ches und Ele­men­ta­res, sowohl in der Form wie im Inhalt. Grosse Insze­nie­rung wird zum Steg­reifthea­ter, aus­ge­schmückte Lite­ra­tur weicht dem kna­cki­gen Sketch. In Boc­cac­cios Novel­len wim­melt es von dra­ma­tisch-bur­les­ken Situa­tio­nen, so steht man vor der Qual der Wahl, aus dem immensen Schatz die Rosi­nen zu picken, die sich zum ver­gnüg­ten Thea­ter­abend ver­dich­ten las­sen.

Fünf Schau­spie­ler *Innen, ein Musi­ker und zwei Kis­ten vol­ler Kos­tüme und sons­ti­gem Plun­der rei­chen aus, um die wit­zigs­ten, anmu­tigs­ten, geist­reichs­ten, tief­grün­digs­ten und ober­fläch­lichs­ten Geschich­ten auf die Bühne zu brin­gen. Damals wie heute regiert die unbän­dige Lust und Krea­ti­vi­tät, die durch den Unbill der Zeit nur umso stär­ker her­vor­drängt und ihre man­nig­fal­ti­gen Früchte trägt. Sechs Spieler*Innen erzäh­len je eine Geschichte, die kaum begon­nen, aus dem Steg­reif durch die andern Mit­spie­ler zum thea­tra­li­schen Erleb­nis wer­den. Zwi­schen Com­me­dia dell’ Arte von frü­her und Monty Python von heute, beglei­tet von Tanz und Musik, ent­steht ein spon­ta­ner Thea­ter­abend, der in einer aus­ser­ge­wöhn­li­chen Zeit alt Bewähr­tes neu ent­deckt und ins Heute ruft!

Die ein­zel­nen Novel­len sind zum jet­zi­gen Zeit­punkt noch nicht bestimmt, wer­den aber erle­sen sein und poin­tiert aus­ge­sucht.

Mit­wir­kende

Autor und Regie: Peter Niklaus Stei­ner

Calan­drino: Peter Niklaus Stei­ner
Bruno: Nico Jaco­met
Filippo Cor­n­ac­chin: Fla­vio Dal Molin
Nicco­losa: Jac­que­line Vet­terli
Tessa Von­kurz: Susanne Kunz
Buf­fal­m­acco: Fabio Ryser

Schutz­kon­zept: Til­man Albrecht
Pro­duk­ti­ons­lei­tung: Domi­nik Zemp

Wei­tere Infor­ma­tio­nen fol­gen. Wir dan­ken für Ihre Geduld.

Details

Beginn:
9. Juli
Ende:
2. August
Veranstaltungskategorie:

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